Stille Giganten in Herzberg

Seit dem 26. Oktober 2019 ist Herzberg mit der Ausstellung „Stille Giganten - Ein Leben für die Dinosaurier“ um einen wichtigen überregionalen Anziehungspunkt reicher geworden. Die Stadt Herzberg ge- hen dort Fragen nach wie: Wer war der Forscher Werner Janensch? Was verbindet ihn mit Herzberg und wie sah der Ausgra- bungsalltag vor über 100 Jahren aus? Es gab bereits zahlreiche Versuche, das Thema „Werner Janensch“ in Herzberg anzusiedeln, doch die Idee zur Ausstellung kam erst An- fang diesen Jahres. Jedoch hatte aus der Erfahrung heraus, niemand mit so einem professionellen Ergebnis gerechnet. Projektleiterin Susanne Wegner, bei der Herz- berger Stadtverwaltung für Stadtmarketing und Tourismus zuständig, spricht in diesem Zusammenhang von mehreren „Glücksgriffen“.

Es waren einfach viele Glücksgriffe

Der erste Glücksgriff war der promovierte Historiker, Biologe und Dinosaurierfan Dr. Mario Huth, der sogar vor Kurzem nach Jeßnigk gezogen war und so quasi um die Ecke wohnte. Er wurde von der WBG Elsteraue mit einem Sponsoringvertrag dem Ausstellungsteam an die Seite gestellt. Huth grub sich förmlich in die Archive ein und brachte wirklich vieles zutage, was selbst in Fachkreisen noch nicht bekannt war. Dr. Mario Huth war mit der wissenschaftlichen Leitung sowie der Konzeption betraut worden und diesbezüglich auch textlich unterwegs.Der zweite Glücksgriff war die ausgesprochen intensive und angenehme Kooperation mit dem Museum für Naturkunde Berlin. Es machte den Mitarbeitern wie Dr. Daniela Schwarz, Dr. Sybilla Nikolow und Dr. Oliver Hampe wirklich Spaß, an dem Projekt zu arbeiten, womit das Herzberger „Kleinstadtteam“ im Vorfeld nicht gerechnet hatte. Als kleiner Dank wurden dem Museum im Gegenzug die neuen Erkenntnisse zu Werner Janensch übermittelt. André Keßler, Leiter der Mediathek Herzberg, war unter anderem die organisatorische Schnittstelle zum Museum. Viel Material musste besorgt und gesichtet werden, was wiederum einen sehr hohen organisatorischen Aufwand bedeutete.

Und dann war da noch ein dritter Glücksgriff: Schließlich sollten die interessanten Materialien in einer professionellen Ausstellung vereint werden. Daher wurde die Ausstellungsgestaltung ausgeschrieben. Unter den fünf Angeboten befand sich auch das von Christian Becker, der sich erst kürzlich hier wieder angesiedelt hatte. Bevor sich der junge Mann in der Region selbstständig machte, war er in einer Leipziger Agentur für die multimediale Gestaltung von Ausstellungen und Museen zuständig. Christian Becker ist einer der neuen Mieter im Herzberger Coworking Space „LUG2“ und bekam den Auftrag für die Gestaltung der Ausstellung. Er übernahm die Art-Direction und das Projektmanagement. Die Gestaltung und Illustration teilte er sich mit LUG2-Tischnachbar Markus Wegner, der auch die Erstellung der Webseite www.stille-gi- ganten.de übernahm. Diese Zusammenarbeit war perfekt, zumal das LUG2 nur wenige Schritte vom Bürgerzentrum entfernt ist. Einmal in der Woche traf sich dort das komplette „Giganten-Team“ zur Abstimmung.

Eine Ausstellung auf zwei Ebenen

Im Bürgerzentrum in der Uferstraße 6 präsentiert sich die Ausstellung auf zwei Ebenen. Ebene eins befasst sich mit Werner Janensch. Durch die Erkenntnisse und Nachforschungen von Dr. Huth ist es gelungen, auch das private Leben des stillen, ganz der Wissenschaft verschriebenen Forschers zu beleuchten. Auch werden bisher nicht veröffentlichte Korrespondenzen und Arbeitsunterlagen Janenschs präsentiert, u. a. der Briefwechsel zwischen dem Ausgrabungslager am Tendaguru und Berlin.

In der Ebene 2 begibt man sich auf eine Reise an den Tendaguru. Hier können Sie erfahren, wie die Ausgrabungen zur damaligen Zeit erfolgten und wie die Fundstücke ins Museum für Naturkunde Berlin kamen. Schließlich wird auch der Arbeitsaufwand deutlich, den es damals wie heute braucht, um ein Skelett von der Größe eines Brachiosaurus brancai zu rekonstruieren. Im Bürgerzentrum erwarten Sie einige originale Dinosaurierknochen und Objekte der Expedition. Bis zum 26. April 2020 ist die Ausstellung noch geöffnet. Auch nach der Ausstellung soll das Leben und Wirken von Werner Janensch in Herzberg präsent sein. Denkbar wäre beispielsweise eine dauerhafte Ausstellung in Herzberg (Elster).“