Coworking Space mit 175 m2 in Herzberg

Coworking bedeutet, einen Tisch zu mieten, dazu Internet, Drucker, immer frischen Kaffee zu erhalten und neben Fremden sein Tagwerk zu verrichten. Wer nicht mehr als einen Laptop braucht, um arbeitsfähig zu sein, ist hier richtig. Und er wird meist Menschen treffen, die auf der gleichen Wellenlänge liegen: Freiberu er und Kreative, IT-ler und Mitarbeiter von Start-ups. Seit rund zehn Jahren gibt es die Spaces weltweit. In Herzberg entsteht in den kommenden vier bis fünf Monaten ein kreativer und preiswerter Treffpunkt für junge Gründer. Möglich wurde das Pro- jekt nur durch eine übergreifende Zusammenarbeit.

Gut 175 m2 wird der neue Coworking Space in der Herzberger Lugstraße 2 umfassen. Neben Arbeitsplätzen und Küche werden verschiedenste Bereiche entstehen, an denen gemeinsam kommuniziert werden kann. Insgesamt soll die Location auch für Meetups und kleine Events genutzt werden, wie bereits am 25. Oktober zur Ausstellungseröffnung von „Yes we can“. Und die Nachbarschaft ist mit den jungen Unternehmen wie „Schnuckidu“ und „Café Plätzchen“ ideal. Die Umbau- und Sanierungsarbeiten des Gemeinschaftsprojektes werden bis Ende des ersten Quartals 2019 erfolgen. Dann werden auch die Leistungen und Kosten definiert sein, denn ein Ort, an dem Kreativität entstehen soll, muss exakt geplant werden. Fest steht aber schon, dass die Mieter ihren Firmensitz in der Stadt Herzberg haben müssen.

Gründerförderung und Teststrecke

Gabriele Lang ist überzeugt, dass der Cowor- king Space in Herzberg am richtigen Platz ist. „Sie ist im ländlichen Raum relevanter als in der Großstadt“, sagt sie. In Cottbus oder Dresden könne man sich an verschiedensten Stellen treffen, doch auf dem Land erfüllten sie eine wichtige Aufgabe. „Sie fördern den Geist des jungen gemeinschaftlichen Unter- nehmertums. Nicht Wettbewerb, sondern ge- genseitige Inspiration und das Schaffen von vernetzten Leistungen und Produkten liegen hier im Fokus. Natürlich ist es auch ein Stück weit das Treffen von Gleichgesinnten, denn als Ein- oder Zweipersonen rma fehlt oft der Austausch.“ Aus diesen Treffen entständen oft unerwartete Geschäftsideen. Stephanie Auras-Lehmann vom Projektpartner „Come- back Elbe-Elster“ hat schon einige Erfah- rungen mit dem ähnlich gelagerten Projekt „Dein Arbeitszimmer“ in Finsterwalde und ergänzt: „Zudem wollen auch viele junge Eltern aus ihrem Homeofice raus, um das Kinder- zimmer mal Kinderzimmer sein zu lassen. Sie wollen mit Gleichgesinnten interagieren.“ Das intern als „Experimentierraum“ bezeichnete Projekt soll aber auch eine Art „Teststrecke“ für modernes Arbeiten auf dem Land werden. Frau Auras-Lehmann weiter: „Unternehmen könnten dort z.B. zeitweise junge Mitarbeiter für besonders wichtige Projekte in eine besonders kreative Phase bringen. Auch eine gemeinsame Cloud und Formen der Partnerzeitarbeit wie Job pairing sind vorstellbar.“

Gefragter Zuschuss

Frau Lang verwies in diesem Zusammenhang auch auf die Förderprogramme des Landes für junge Start-ups wie das Programm „Gründung innovativ“. „Das Programm ist so attraktiv, dass sogar Berliner Gründer ihre Firmen im Land Brandenburg ansiedeln. Es fördert wirklich genau das, was gebraucht wird, und Interessenten sollten sich auf der Website der ILB dazu im Vorfeld infomieren, um diesen Zuschuss nicht zu verpassen.“

Der Grafikdesigner Markus Wegner und ehemalige Wiener wird einer der ersten Mieter sein und neben seinem Job auch interessierte Rückkehrer mit Infos versorgen. Er soll sozusagen der Vor-Ort-Ansprechpartner der Rückkehrerinitiative „Comeback Elbe-Elster“ sein und entsprechende Anfragen weiterleiten. Zu festen Zeiten einmal im Monat ist es auch geplant, dass Stephanie Auras-Lehmann von der Willkommensagentur hier konkretere Gespräche für Rückkehrer anbieten wird.

Ein großes Gemeinschaftsprojekt

Das Projekt ist offiziell am 1. Oktober 2018 gestartet und endet am 30. November 2019. Projektpartner sind der Landkreis Elbe-Elster, die Sparkassen-Stiftung Zukunft-Elbe-Elster- Land, der Vermieter Dr. Unterko er und sogar gestandene Herzberger Unternehmen, die einen Mietzuschuss zahlen, um die Gründerszene zu fördern. Betreiber werden der Verein „Generationen gehen gemeinsam“ (G3) zusammen mit der Rückkehrerinitiative „Comeback Elbe-Elster“ in Kooperation mit dem Jungunternehmernetzwerk „NEOpreneurs“ und der Stadt Herzberg sein. Das Modellprojekt wird durch das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft innerhalb des Förderprogrammes „Land(auf)Schwung“ gefördert.

 

NEOpreneurs auch in Herzberg

Das junge Gründer- netzwerk verfügt bereits über 150 Mitglieder

Die seit fünf Jahren wieder in Finsterwalde wohnende Maria Goldberg hat in Cottbus Architektur mit der Spezialisierung Lichtplanung studiert. Da die jetzt 35 Jahre junge Frau nach dem Studium in der Region keine Perspektive sah, hatte sie deutschlandweit Bewerbungen verschickt. Als ihr der Hamburger Leuchtenhersteller TRILUX eine interessante Tätigkeit anbot, zog sie zusammen mit ihrem Mann nach Hamburg, auch um die Stadt näher kennenzulernen. Aber die anstehende Geburt ihrer inzwischen fünfjährigen Tochter und das leerstehende Haus ihrer Oma haben das Paar über eine Rückkehr nachdenken lassen. Ein altes Lehmhaus zu sanieren, war in Hamburg unmöglich und erleichterte die Entscheidung. Mit einem jetzt dreijährigen Sohn hat es sich die Familie in dem kleinen Dorf gemütlich gemacht. Auch Maria Goldbergs Passion – die Lichtplanung – ist zu ihrem Broterwerb geworden.

Was macht ein Lichtplaner?

Wer größere Büros oder Verkaufs ächen bereits eingerichtet hat, wird es wissen: Eine fundierte Lichtplanung ist wichtig, nicht nur wegen der ständig fortschreitenden LED-Technik. Maria Goldberg kreiert nicht nur die Möglichkeiten, die durch den Lichteinsatz entstehen, sie liefert auch ein ganzheitliches Lichtkonzept mit Energie effizienten Leuchten. Neben verschiedensten Kunden in Finsterwalde und einem umfangreichen Außenprojekt für die dortige Sparkasse sind ihre Dienste mittlerweile oft in Kirchen gefragt. Was früher z. B. über das wartungsintensive Absenken der Kronleuchter nur schwerlich gelang, wird nun über langlebige Leuchten einfach gelöst: Helleres Licht für den Text in den Gesangsbüchern und atmosphärische Beleuchtung, z.B. für die Taufe. In der Gründerphase hatte die junge Frau nach einem Netzwerk von Gleichgesinnten in der Region gesucht, war aber nicht fündig geworden.

NEOpreneurs zukünftig in Herzberg

Freiberufler, junge Gründer und auch nebenberuflich Selbstständige hatten bisher keine Lobby in der Region, und es gibt davon mehr, als man denkt. Genau 150 sind beispielsweise Mitglied in der Facebookgruppe des u.a. von Maria Goldberg gegründeten Netzwerks „NEOpreneurs“, das sich zum Ziel gesetzt hat, junge Gründer sichtbar zu machen und in einen konstruktiven Austausch zu bringen. Meet-ups und weitere Events der NEOpreneurs sind auch im neuen Experimentierraum von Herzberg geplant. Genaueres wird zurzeit entwickelt, denn gerade das „Gründerflair“, das durch die neue Location weht, ist dazu prädestiniert, weitere Kooperationen und Produktideen der Gründer untereinander entstehen zu lassen.

Erste Eindrücke davon gibt es wieder beim diesjährigen Adventskalender auf der Facebookseite. Vom 1. bis 24. Dezember wird sich jeden Tag ein NEOpreneur per Videoclip vorstellen und etwas verlosen. Um dem Netzwerk beitreten zu können, reicht eine Nachricht auf der Facebookseite oder eine E-Mail an mail@neopreneurs.de.